CD´s im selbstironieverlag: Reihe "Kabarettisten der DDR"

Vol. 5 Ilse Maybrid & Otto Stark: Berliner Temperament und Wiener Schmäh, 2008 (Distel)

Vol. 2 Ursula Schmitter & Gerd Holger: Die Liebe und etwas anderes noch, 2007 (Pfeffermühle)

Warum diese CD:

Ein Österreicher ist der hochdekorierteste Kabarettist Deutschlands, genauer gesagt der DDR. Drei hohe staatliche Auszeichnungen in fünfundvierzig Jahren Arbeit als Kabarettist im real existierenden Sozialismus, davon knapp die Hälfte als Direktor – damit ist Otto Stark einsame Spitze in der Satirelandschaft der DDR. Der Covertext einer Distel-LP aus dem Jahre 1980 lüftet ein wenig das Geheimnis um dieses Phänomen: "Otto Stark ist Vertreter der harten politischen Satire – aber so, daß man’s nicht merkt. Seine Devise: „Was man nicht mehr sagen kann – wird gesungen. Was gesungen immer noch zu hart klingt – wird vertanzt."

Otto Stark ist Wiener, von Geburt und Gemüt. Berlinisiert wurde er durch Ilse Maybrid, einem auch heute noch quirligen Energiebündel („Miss BEWAG“) aus Johannisthal. Und genau in dieser Mischung aus sich fast überschlagendem Berliner Temperament und überlebensorientiertem Wiener Schmäh bestimmte Otto, in Ehe und Kabarett mit Ilse vereint, bis zum Untergang der DDR das hauptstädtische Vorzeige-Kabarett Distel.

Entdecken lassen sich mit Liedern und Texten aus mehr als 20 Distel-Jahren zwei Gegensätze, die seit ihrem zufälligen Zusammentreffen vor dem Schwarzen Brett im Berliner Theater der Freundschaft im Jahre 1951 noch heute wie unzertrennlich zusammen(k)leben.

Unabhängig voneinander und nahezu zeitgleich hatten beide während des Krieges ihre Liebe zum Kabarett entdeckt – sie im Berliner Variete Europahaus am Hamburger Bahnhof, er im Londoner Exiltheater Laterndl. Bei erster sich bietender Gelegenheit, es war an Sylvester 1954, stellten sie sich gemeinsam mit sechs Schauspielerkollegen als Herkuleskeule auf die Bühne des Dresdner Staatstheaters. Fortan wurde die Zweisamkeit durch das Kabarett bestimmt, mitunter sogar so sehr, dass es einige Kabarettkollegen verdross, letzteres vor allem ab dem Zeitpunkt, als der "begnadete Komödiant" aus dem Wiener Arbeiterbezirk Ottakring zum Direktor der Distel avancierte.

Im Frühjahr 1990 war es vorbei mit dem Aufbau des Sozialismus. Damit entfiel auch für Otto Stark die Motivation, diesen mit den Mitteln der Satire aktiv zu unterstützen. Er übergab seinen Direktorenposten und wurde wieder "Nur-Kabarettist". Er ist es bis heute geblieben. Und gut behütet von Ilse fühlt er sich wohl in dieser seiner ursprünglichsten Rolle.

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